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Felsen-Geologie-Klettern – Eine Vorstellung von Klettergesteinen.

Eine Vorstellung von Klettergesteinen

(von Dipl.-Geol. Harald Rost, Windischeschenbach, März 2019)

Klettergesteine! Schon wieder?

Ja 🙂 ! Erstens ist es nicht schlecht, wenn man weiß, was man so anfaßt oder in was man so hineingreift 😉 . Zweitens scheint das Interesse da zu sein und nicht zuletzt Drittens, ist nicht alles gut oder auch nur richtig, was dazu so veröffentlicht wird, einiges aber umgekehrt so gut und vor allem auch so schön bebildert, daß folgend gerne darauf gelinkt wird.

Da der Autor selbst Geologe und Petrograph ist, entschied er sich schon bei der Beschreibung der Neuhauser Burgfelsen im November 2016 dazu, die potentiellen Leser auch mit einigen Informationen zur Geologie der Burgfelsen wie zu alternativen Klettergesteinen im 100-km-Radius um Windischeschenbach „zu beglücken“ – ohne allerdings selbst mit zu großem Interesse dafür zu rechnen. Die Resonanz war überraschend positiv und motivierend und führte, zusammen mit der weiteren Ausarbeitung der  Gesteins-Tags bei thecrag, im April 2017 schließlich zu einem etwas umfassenderen „geologischen Kletterartikel“: Klettergesteine – Klettern für geologisch Interessierte

Darin wurden 43 kletterbare Gesteinstypen nach Genese (sedimentär, metamorph, plutonisch, vulkanisch, hydrothermal und metasomatisch) gelistet und zu weiteren Beschreibungen sowie zu Beispiel-Crags verlinkt. In dieser Form und „Vollständigkeit“ weltweit quasi erstmalig 🙂 . Um die Ergebnisse event. Interessierten über Googlerecherche tatsächlich möglichst umfänglich zugänglich zu machen, wurde daher, etwas weniger regional und sektionsbezogen, sogar eine englische Version online gestellt.

Auf ein dozierendes Wiederkäuen der entweder ohnehin gemeinhin bekannten oder im Netz zumindest leicht nachlesbaren allgemeinen Gesteins-Informationen wurde dabei weitgehend verzichtet. Stattdessen wurde versucht, über entsprechende Verlinkung den Lesern ein leichtes eigenes Weiterklicken nach Gusto zu ermöglichen und sich ansonsten stichpunktartig auf übersichtliche Minimalinformation zu beschränken. Was bspw. Granit ist und aus welchen Mineralien er besteht, weiß ein Kletterer entweder selbst noch aus der Schule oder es wird ihm in praktisch jedem Artikel über Gesteine erneut präsentiert – durchaus unterschiedlich gut.

Die Anzahl entsprechender Artikel läßt jedenfalls durchaus auf  steigendes Interesse und Bewußtsein der Kletterer für Geologie und die Gesteine, an denen sie klettern, schließen. Beim Einen oder Anderen regen sie teilweise sicher auch erst an, sich mit dem Thema zu beschäftigen:

Einige Veröffentlichungen im Themenfeld Geologie + Klettern

– Das gemeinsame Alpenvereinsjahrbuch von Deutscher Alpenverein (DAV), Österreichischer Alpenverein (ÖAV) und Alpenverein Südtirol (AVS) enthält in der Ausgabe 2018 einen Artikel „Den Fels begreifen. Zur Geologie von Klettergesteinen„.

– Beim DAV-Hauptverband findet man an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich gute Info

Felsen und Geologie (alpenverein.de, Panorama-Magazin)
Geologie (felsinfo.alpenverein.de)
Geologie und Böden (alpenverein.de)

– Der ÖAV hat eine gute Information in seiner Mitgliedszeitung

Achtung Stein! Teil 1
Achtung Stein! Teil 2
Achtung Stein! Teil 3

– Die Zeitschrift klettern nimmt sich des Themas an:

Gesteinsarten – Fels-Typen und Gesteine (auch Kalk)
Fels-Typen und Gesteine – Alles über Fels

– Im Magazin Bergwelten werden einzelne Gesteinsarten beschrieben:

Felskunde – Kalkstein – Zeuge des Urmeeres

– Offenbar gilt sogar „Geology sells“ 🙂 :

Klettershop Chalkr bietet eine Kletterlexikon-Info (Bsp. Kalkstein)
Ortovox-Sportartikel GmbH informiert über Felsarten – das Rohmaterial für Kletterer, s.a. Youtubevideo

– Natürlich gibt es auch englischsprachige Info:

3 Types of Rock for Climbing: Granite, Sandstone & Limestone

Don’t Take it for Granite: Understanding Different Rock Types for Climbing

In Rockclimbing.com:

In Climbing:

Nicht zuletzt wurden die Infos zwischenzeitlich auch in thecrag.com genutzt.

Den Geologen im Autor freut dies natürlich, andererseits ist es schade, wenn doch teilweise schon mit der Eingangslektüre falsche Vorstellungen bestärkt und mißverständliche, zu unvollständige oder manchmal gar falsche Informationen gestreut werden und so bei den Kletterkollegen ggf. falsches „Grundwissen“ erzeugen, das sich so über die Zeit leider manchmal auch manifestiert.

Konzept der vorliegenden „Vorstellung Klettergesteine“

Nach dem initialen eigenen, bewußt fast rein stichpunktartigen Klettergesteinsartikel“ von 2017 ist dies folgend der Grund für eine nun doch auch autorenseitig etwas umfangreichere Präsentation, die ggf. zudem für die ein oder andere Richtigstellung genutzt werden kann.

Im Sinne der Übersichtlichkeit, aber auch schlicht um dem Autoren gelegentliches, stückweises Arbeiten am Thema zu ermöglichen, wird dies an Gesteinsarten orientiert modular erfolgen und mit der Vorstellung der häufigsten und bekanntesten Klettergesteine, dem „Gesteins-Grundsortiment“ des vorstehend genannten Artikels beginnen (Arbeitsfortschritt an der Verlinkung erkennbar 🙂 ).

1. Kalkstein und Dolomit
2. Granit
3. Gneis
4. Basalt
5. Sandstein (ggf. + Konglomerate)
6. Grünstein
7. Quarz

Ergänzend drängen sich aus unterschiedlichen Gründen ggf. noch einige weitere Gesteine für eine Einzelvorstellung auf:

(8. Amphibolit)
(9. Rhyolith)

Dabei wird weiterhin versucht auf Wiederholungen und Bekanntes möglichst zu verzichten und stattdessen zu verlinken und ggf. nur stichpunktartig aufgezählt. Andernorts vom Autoren als verbesserungsbedürftig empfunden Dargestelltes wird ggf. etwas stärker betont und allgemein werden die Schwerpunkte  etwas anders gelegt, manchmal vielleicht auch auf weniger Bekanntes. Europa bzw. sogar Mitteleuopa bleibt jedoch immer im Fokus und „Vollständigkeit“ wird nicht angestrebt. Letztere kann durch eigenes Weiterhangeln anhand der Links leicht „nach Bedarf“ selbst vergrößert werden. Weiterhin gültig ist die Definition von „Klettergestein“, die der Autor 2017 postuliert hat: der „qualifizierende Beweis“ für ein „Klettergestein“ wird letztlich damit erbracht, daß dieses auch praktisch geklettert wird und sich am besten irgendwo auf der Welt zumindest beispielhaft Sportkletterrouten oder bedeutendere Bergsteigereien in diesem finden.

Der Autor hofft auf gutes Gelingen und wünscht ggf. viel Spaß beim Reinlesen.

P.S.: Eile hat es vorerst keine 🙂

Burgfelsen Neuhaus WindischeschenbachBurgfelsen Neuhaus WindischeschenbachNeuhauser Burgfelsen WindischeschenbachBurgfelsen Neuhaus Klettern in Windischeschenbach

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Die Nordoberpfalz – klettertechnisches El Dorado.

Die Nordoberpfalz – klettertechnisches El Dorado

(Feststellungen und Visionen)

(von Dipl.-Geol. Harald Rost, Windischeschenbach, Dezember 2018)

Von der Liebe zu Oberpfalz,  Zoigl und Felsen

Da wollte ich eigentlich nur bereits Vorhandenes etwas übersichtlicher gestalten und jetzt finde ich mich plötzlich mit Verve beim Schreiben eines neuen Artikels: „Die nördliche Oberpfalz – ein klettertechnisches El Dorado – oder so 🙂

Nun, über „Klettergesteine“ habe ich mich ja schon einmal etwas ausgelassen. Dieser Artikel greift das Thema wieder auf, beschränkt sich aber mehr auf unser „ureigenes“ Umfeld: +/- die nördliche Oberpfalz. Ich wohne in Windischeschenbach, bin Kletterer und Geologe und liebe – neben dem Zoigl, wie es hier fast üblich  ist 🙂 – auch die Oberpfalz und ihre Natur. Es ergibt sich also fast von selbst, daß mir kaum ein Felsen und Gestein in der Umgebung fremd ist und ich seit Wiederaufnahme meiner Hobby-Kletteraktivitäten vor einigen Jahren und Beitritt im DAV diese immer auch unter diesem Aspekt betrachtet habe. Ich denke, ich kenne mehr Zoigl, schöne und interessante Orte, Geotope und eben auch Felsen hier, als so manch Anderer. Vermutlich kommt mir dabei gerade sogar ergänzend zugute, daß ich zugezogener „Fremder“ bin. So wie der Prophet im eigenen Lande oft nichts gilt, so nimmt der Einheimische schon aus schierer „Gewohnheit“ die Schönheiten, Besonderheiten und Potentiale seines Umfeldes manchmal nur noch eingeschränkt wahr oder bemerkt sie gar erst, wenn er wegzieht, weil sie ihm dann plötzlich schmerzlich fehlen. Die „Kletterer-“ und „Geologen-Augen“ und das entsprechende Interesse tun dann ihr Übriges und so ist es leicht, die Begeisterung für meine neue Heimatregion folgend mit einigen „Argumenten“ und auch „Visionen“ zu unterfüttern.

Windischeschenbach und der Burgfelsen Neuhaus als Nabel der Welt 🙂

Es ist mir dabei hoffentlich auch von den anderen „Kletterer-Locals“ gegönnt, daß ich dies dabei etwas lokalpatriotisch aus „Windischeschenbacher Sicht“ tue – mein Wohnort ist schließlich nicht nur „Zoiglhauptstadt„, sondern erstens näher am Zentrum des klettertechnischen Geschehens, dem Steinwald, als TIR, in dem eine meiner beiden DAV-Sektionen ansässig ist, zweitens kann er seit 2016 mit dem Neuhauser Burgfelsen mit eigenem Kletterfelsen aufwarten – letztlich dank mir 🙂 ! Dieser Kletterfelsen ist zumindest „outdoor“ bereits die „Heimat für hiesige Kletterer“, die speziell den „Auswärtigen“ aus Tirschenreuth das Sudhaus Schels „indoor“ erst noch werden muß (und bestimmt auch wird – aber mit konkreter „Arbeit“ danach ist das dann oft so eine Sache), und drittens werden nicht zuletzt dank der Erschließung des Burgfelsen Neuhaus sowie der jährlich dort durchgeführten Ferienbetreuung auch immer mehr Windischeschenbacher zu Kletterern und DAV-Mitgliedern.

Genug Grund für mich jedenfalls, Neuhaus folgend als den diesbezüglichen Nabel der Welt zu sehen und Entfernungsangaben bzw. Fahrstrecken „logischerweise“ von Windischeschenbach bzw. dem Burgfelsen anzugeben 🙂 – Und damit wäre ich auch endlich beim Thema.

Die Nordoberpfalz – ein klettertechnisches El Dorado

Geol. Übersicht Oberpfalz; Bayer. Landesamt f. Umwelt, Ausschnitt Postkarte Geol. Übersicht v. Bayern (Bayerisches Landesamt für Umwelt); bestellen.bayern.de

Wer die Oberpfalz vorschnell auf „nur Granit“ oder – etwas wissender – auf Kalk, Granit und Gneis reduziert, liegt definitiv falsch. Schon die gröbste geologische Übersichtskarte (s. Abb.) zeigt ein bunteres Bild. Nun ist natürlich nicht jedes Gestein kletterbar oder überhaupt aufgeschlossen und im besten Falle  sogar bereits klettertechnisch erschlossen (s. „Klettergesteine„). Gerade die nördliche Oberpfalz und speziell Windischeschenbach aber haben bereits jetzt einiges zu bieten und insbesondere bei Nutzung des zusätzlichen Potentials (!!) wären sie ein richtiggehendes Kleinod und als Ausgangspunkt ein El Dorado für Kletterer, das hinsichtlich der kletterbaren Gesteinsarten und Gesteinvarietäten sowie Routenzahl in überschaubarer Entfernung (!) bis +/- 100 km so leicht nicht zu schlagen wäre!

(s. Abb.: Ausschnitt Postkarte Geol. Übersicht v. Bayern (Bayerisches Landesamt für Umwelt)

Granite

Fichtelgebirgs- und Nordoberpfalz-Pluton

Vorherrschend ist zwar Granit, aber dessen einzelne  Vorkommen unterscheiden sich teilweise so beträchtlich, daß von wirklich „gleichem Gestein“ und gleicher Kletterei manchmal kaum zu sprechen ist. Zusätzlich bieten Mittelgebirge, Berge, Hügelland, Flußtäler und Steinbrüche jeweils eine ganz eigene Formen- und Strukturvielfalt an Felsen und Wänden. Fichtelgebirge ist anders, als Steinwald (Vogelfelsen, Räuberfelsen, Ratfelsen-Gruppe und Augsburger Felsen) und der grobkristalline Falkenberger Granit, mit seinen sehr großen Feldspateinsprenglingen, ist dem Selber und Karlsbader Granit, beide mit ebenfalls porpyrischem Gefüge, zwar ähnlich, klettert sich aber doch auch wieder anders, als diese. Klettereien in Flossenbürger Granit oder an alten Granit-Steinbruchwänden bei Leuchtenberg (teilw. überraschend reibungsarm) schließlich sind wieder eigen – und dies nicht nur wegen der andersartigen landschaftlichen Prägung, sondern eben auch und gerade wegen des Gesteins selbst sowie der besonderen Aufschlußformen.

Sandstein, Kalk/Dolomit, Gangquarz, Gneis und Diabas

Wem aber Granit dennoch zu viel wird und wer prüfen möchte, welch ggf. andere Klettertechniken noch deutlichere Gesteinsunterschiede fordern, dem ist leicht zu helfen: In nur 35 km Entfernung bietet ein ganz besonderer Sandstein im Oberpfälzer Hügelland zwar wenige, aber durchaus anspruchsvolle Routen und ab 50 km Entfernung bietet mit der Fränkischen Alb eines der weltweit bekanntesten Klettergebiete eine schier unerschöpfliche Routenzahl in Kalk/Dolomit. Damit aber nicht genug, lockt 60 km entfernt eine Besonderheit: der reine Quarz des Böhmischen Pfahls bietet ein ähnliches Klettervergnügen, wie der zwar bayerische, aber weiter entfernte Gangquarz seines Gegenstücks, des Bayerischen Pfahls. Lediglich für gut kletterbaren Gneis muß man schon ca. 100 km in Kauf nehmen, wird dann am Kaitersberg aber zusätzlich mit einer der schönsten Aussichten im Bayerischen Wald belohnt. Wer fast in Gegenrichtung ähnlich weit zu fahren bereit ist, findet im Elstertal, direkt an der thüringisch-sächsischen Grenze, schließlich im Diabas des Steinicht nochmals ein lohnendes „Granit-Ausweichziel“ mit komplett anderen Gesteinseigenarten und kann zudem auf der Verwerfungsfläche der Sonnenwand wunderbare Platten-Reibungskletterei genießen.

Noch Wünsche offen? – Basalt!?

Wie aufgezeigt, muß einem als in der nördlichen Oberpfalz beheimatetem Kletterer, speziell in Windischeschenbach 🙂 , also keineswegs langweilig werden und von „stupidem Granitklettern“ kann keine Rede sein. Mit Granit, Sandstein, Kalk, Dolomit und Quarz sind 5 von 7 Gesteinen des „Kletterer-Gesteins-Grundsortiments“ innerhalb eines Radius von 60 km Fahrstrecke erreichbar. Zählt man den Metabasalt Diabas als „Basalt“ und toleriert bei ihm wie beim Gneis die geringe Überschreitung des 100 km-Radius, so steht einem sogar das gesamte „Grundsortiment“ (mehr) in akzeptabler Entfernung und klettertechnisch durchaus gut erschlossen zur Auswahl.

Die Kletterei im Diabas des Steinicht sowie dessen Aussehen und Textur aber haben so gar nichts mit dem zu tun, was man sich als Kletterer gemeinhin von „Basalt i.w.S.“ (Vulkanite werden umgangsprachlich oft „großzügig“ allesamt einfach als „Basalte“ angesprochen) so denkt und wünscht: So wie der Bautechniker bei Basalt schnell schlicht dunklen Eisenbahnschotter im Kopf hat, so denkt der Kletterer wohl sehr schnell an meist sechseckige „Basaltsäulen“ und die sich (bei senkrechten Säulen) daraus ergebenden speziellen Klettereien: Riß- und Kaminklettern. Daß die eindrücklichsten dieser Säulen dabei oft nicht wirklich Basalt sind, sondern eben Phonolit (Bsp. Devils Tower oder Steinwand/Rhön) oder andere Vulkanite (s. Streckeisendiagramm), ist dabei meist nur von begrenztem Interesse.

Nun gibt es zwar auch unmittelbar in der Region Nordoberpfalz, dem angrenzenden Franken und Tschechien einige Basaltvorkommen, zum Klettern sind sie jedoch oft grundsätzlich nicht geeignet und/oder sie sind aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Sportklettern erschlossen. Wer tatsächlich an „Basaltsäulen“ Riß- und Kaminklettern will – und wem es dabei ganz ungeologisch nichts ausmacht, daß es sich hier nicht um „echten“ Basalt handelt, sondern um Nephelinbasanit – muß schon nach Tschechien ausweichen und kann dies dann von Windischeschenbach nach einer Anfahrt von 73 km ansatzweise an nur wenigen, sehr spärlich erschlossenen, aber immerhin deutlichen und durchaus beeindruckenden Säulen in einem Steinbruch bei Konstantinsbad versuchen.

Die beeindruckenden Basaltvorkommen im Westerzgebirge (Bsp.) liegen mit >140 km Anfahrt bereits deutlich außerhalb des oben gewählten 100 km-Radius und sind nicht erschlossen. Alle anderen ohnehin spärlich gesäten säulenartigen Basaltvorkommen sind zu klein, ebenfalls nicht klettertechnisch erschlossen, schon gar nicht erst wirklich aufgeschlossen oder zugänglich – oder eben viel zu weit.

500 km – fast an die belgische Grenze (!) – müßte man aktuell fahren, um tatsächlich „richtig“ basaltklettern zu können! Wer nimmt das schon auf sich – abgesehen davon, daß bei solchen Fahrstrecken von Ökologie-Ökonomie kaum geredet werden kann. Außerdem: So schön die Eifel bei Mayen auch ist und so gut der Moselwein auch schmeckt, der Zoigl ist weit; sehr weit 🙁 !

Dennoch, ein wenig Appetit will ich bei der Gelegenheit hier schon mal machen: Ettringen vor allem heißt das Zauberwort dort. U.a. Basaltsäulen vom Feinsten! „Es dominiert anspruchsvolle Risskletterei in ungewöhnlich glattem Basalt: neben Hand- und Fingerrissen findet man auch Schulter- und Körperrisse, sowie enge Kamine“ (Quelle DAV). Mit bis zu 25 m Wandhöhe zudem auch von der Höhe beeindruckend und, dem kann man wohl zustimmen, „eines der geilsten Klettergebiete überhaupt“ (http://www.antiserum.eu).

Also, wer da, sofern er Technik und durchaus hohen Schwierigkeitsgrad (i.d.R. > 6) beherrscht, nicht Lust bekommt …

500 km . Schade, daß es das bei uns nicht gibt! – Welche grandiose klettertechnische Kombination und Ergänzung wäre das insbesondere zu unserem weiten Spektrum an einheimischen Granitklettereien und dem in nur 50 km Entfernung liegenden weltbekannten Klettergebiet der Fränkischen Alb! In kleinem Umkreis zu den schon vollkommen unterschiedlichen „Klettergesteinen“ Kalk- und Dolomit, der großen Bandbreite an Granit, dem Sandstein und Quarz zusätzlich der wieder ganz andere und ebenfalls anspruchsvolle Basalt! Und Gneis und Diabas durchaus auch noch +/- im 100 km Radius! Wo gibt es das sonst so!? Die nördliche Oberpfalz würde zu einem wahren klettertechnischen Ort der Verheißung 🙂 – durchaus nicht nur für kletternde Geologen 🙂 und ggf. ja auch unter touristischen Aspekten interessant. Der Geopark quasi nicht nur „eher akademisch“, sondern zum Erfahren und sprichwörtlich Anfassen und Erleben!

Tja, schade – d.h, Moment … !

Das Besondere liegt so nah – Unerschlossenes Potential

Basalt in der nördlichen Oberpfalz

Wo also wäre tatsächlich kletterbarer Basalt +/- in der unmittelbaren nördlichen Oberpfalz und das möglichst in säulenförmiger Ausprägung? Säulen gibt es schon mehrfach, alleine, meist sind sie nicht so beeindruckend und klettertechnisch auch weitgehend uninteressant, wie etwa das kleine Basaltvorkommen am Sportplatz des ohnehin schon fränkischen Thierstein. Augenfällig, aber kaum wirklich etwas für die vorstehend ausdrücklich gewünschte Riß- und Kaminkletterei, dafür aufgrund der gebogenen Säulentexturen von ganz eigenem und auch außergewöhnlichem Reiz, wäre sicher der Parkstein …

Ebenfalls eine spezielle Ausprägung hat der Säulenbasalt im ehemaligen Steinbruch Zinst. Hier haben die Säulen durch herausgewitterte Olivinknollen und PeridotitXeonolithe eine oft löcherige Struktur und erinnern manchmal fast an die Griffe und Tritte im Dolomit, so daß sie trotz max. nur 8 m potentieller Kletterhöhe die Phantasie durchaus beflügeln …

Der Rauhe Kulm hingegen, einer der  imposantesten Basaltkegel Bayerns, hat klettertechnisch letztlich nicht einmal theoretisch etwas zu bieten und sein kleiner Bruder, der Kleine Kulm, besteht nicht aus Säulenbasalt, sondern aus Schlotbrekzien.

Einen aber habe ich noch und zu meiner Zeit an der Uni in Erlangen habe ich vor Jahrzehnten sogar schon einmal Studenten bei einer Exkursion hierher geführt. Auch die haben gestaunt! Hier hätte es – außer die löcherige Textur in Zinst – in der Tat wahrhaft alles und von Säulendurchmesser und Wandhöhe müßte der überwiegend glatte Basalt hier nicht einmal hinter Ettringen zurückstehen! Im Gegenteil: Die grundsätzliche Wandlänge und der offenere, gegenüber den tieferen, meist schattigen Steinbrüchen der Eifel glatt „präsentablere“ Anschnitt am Berg läßt sich sehen:

Weitere Bilder Basalt-Steinbruch Großer Teichelberg

Nur 26 km Wegstrecke von Windischeschenbach (!), kaum weiter, als der Augsburger Felsen im Steinwald, gibt es bei Pechbrunn am Großen Teichelberg beeindruckende Basaltsäulen, die ähnliche Klettereien böten, wie ansonsten – zur Erinnerung! – eben erst in 500 km Entfernung, fast schon in Belgien! Die schlechte Nachricht ist, daß  es sich hier leider um einen aktiven Steinbruch handelt – aber man braucht ja Visionen 🙂 ! (P.S. 2019/2020: Zum 31.12.2018 wurde der Gewinnungsbetrieb eingestellt! Zusammen mit dem DAV als Naturschutzverband und Fachansprechpartner für Klettern und Naturschutz ist der Autor hier „am Ball“.) Als gut darf dafür gelten, daß just der klettertechnisch interessante Bereich eine nicht mehr im Abbau befindliche Wand ist, die unmittelbar an ein Naturschutzgebiet grenzt und so wohl tatsächlich grundsätzlich erhalten bleibt. Nebenbei: auch als Geotop ist der entsprechende Wandabschnitt in unserem Raum, in Bayern, ja in ganz Süddeutschland und darüber hinaus (!) einmalig. Nicht umsonst habe ich, wie oben erwähnt, die Exkursion hierhergeführt. Würde die Wand nach Nutzungsende einfach zuwachsen, wäre es so also doppelt schade! Hier gäbe es demnach ggf. ein gemeinsames Interesse und Synergien! Gerade die Felspflege im Rahmen einer klettertechnischen Nutzung kann hervorragend auch dem Erhalt eines Geotops dienen! – Vorbeugend: Es handelt sich nur um einen Bruchteil der stillgelegten Wände, so daß ein Konflikt mit event. sonstigen naturschützerischen Belangen rein sachlich kaum wirklich ansteht!

Routen gäbe es da … Es wären natürlich nicht ganz so viele, wie in Ettringen, aber schon als aufpeppende Ergänzung zum für den ein oder anderen ggf. eben doch fast schon etwas „langweilig“ daherkommenden Granit … Es wäre ganz Anderes! Und daß in Zusammenhang mit den anderen o.g. Gesteinen, Geotopen und Klettergesteinen, die es hier bei uns als außergewöhliche Besonderheit eben auf engstem Raum und gut erreichbar gibt, die nördliche Oberpfalz sich auch unter diesem bisher weitgehend unbekannten Aspekt als besonders interessant und reizvoll erweist – den Zoigl noch gar nicht dazugezählt 😉 ! – wäre sicher ein großer zusätzlicher Pluspunkt letztlich für die ganze Region!  Aber dies habe ich vorstehend schon ausgeführt und wird nur aufgrund meiner eigenen Begeisterung hier wiederholt 🙂

-> Weitere Bilder Basalt-Steinbruch Großer Teichelberg (Google-Foto-Galerie)

Amphibolit, das verborgene Highlight – Das ganz Besondere liegt noch näher

Wie vorstehend schon am Basalt aufgezeigt, das Besondere liegt überraschenderweise nahe, manchmal aber liegt es „noch näher“, quasi direkt „vor der Haustüre“: Amphibolit!

Windischeschenbach ist nicht nur die Stadt der größten Zoigl-Dichte, sondern auch des tiefsten geraden Bohrlochs (9101 m) und des größten Landbohrturms (83 m) der Welt! 1987 bis 1995 lief hier das geowissenschaftliche Großforschungsprojekt