Projekt Teichelberg

Geotop und Basaltklettern am Gr. Teichelberg

Der Große Teichelberg (-> Google-Earth) ist in vielfacher Hinsicht etwas Besonderes und Erhaltenswertes.

Besonderheiten

Naturwald, NSG und FFH-Gebiet

Die Basalt-Blockschuttbereiche und der Laubmischwaldkomplex aus Buchen, Linden und Traubenkirschen auf der Bergkuppe wurden schon 1978 eines der ersten Naturwaldreservate in Bayern (Naturwaldreservat Gitschger) und 1996 zudem als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Ein Großteil des Teichelbergs ist schließlich auch Teil des FFH-Gebietes „Basaltkuppen in der Nördlichen Oberpfalz“.

Die Rohstoffgewinnung und speziell angedachte Erweiterungen des Steinbruchs Pechbrunn wurden immer als Gefahr dafür angesehen (s.a. Bund Naturschutz in Bayern), das Steinbruchgelände selbst blieb ansonsten aber weitgehend außerhalb des Fokus. Mit der letztlich überraschenden Beendigung bzw. Nichtverlängerung des Pachtvertrags seitens der Bayer. Staatsforsten und dem damit verbundenen Ende des Abbaus durch die Basaltwerk Pechbrunn GmbH zum 31.12.2018 hat sich dort aber eine neue Ausgangslage ergeben und auch das Steinbruchgelände selbst ist ins Blickfeld gerückt.

Steinbruch wird selbst Schutzgut

Aufschluss und Erschließung durch den Abbau ließen darin ein beispielhaftes Geotop entstehen, welches nun selbst aus unterschiedlichsten Perspektiven erhaltenswert ist. Das gesamte Steinbruchgelände bietet einen hervorragenden dreidimensionalen Einblick in Geologie und Dynamik des oberen Stockwerkes eines ehemaligen Schlackenkegel-Vulkans und durch die letztlich vorzeitige Einstellung der Rohstoffgewinnung ist auch die ehemalige Steinbruchwand (2018 über 800 m Länge) mit ihren schon in der Dimension außergewöhnlichen Basaltsäulen (Höhen bis ca. 30 m, Durchmesser bis 4 m) erhalten geblieben.

Die Formenvielfalt des Basalts (Olivinnephelinit) und die Dimensionen der entsprechenden Strukturen speziell an der fast 1000 m langen ehemaligen Hauptabbauwand sind dabei für Bayern und ganz Süddeutschland letztlich einmalig! Spätestens in Kombination mit einigen anderen Stellen im nun stillgelegten Steinbruch hat der Teichelberg damit auch im ehemaligen Abbaubereich wohl durchaus das Potential künftig in die Riege Bayerns schönster Geotope aufzusteigen oder gar Nationales Geotop zu werden.

Basalt im Granitgebiet

Abgesehen von der ohnehin spannenden Geologie als ehemaligem Vulkan sind der Teichelberg und seine große ehemalige Abbauwand aber noch unter ganz anderem Aspekt ‚besonders‘ und ‚interessant‘: Dabei geht es um das Gestein selbst: Basalt!

Nun ist Basalt auf der Erde an sich kein seltenes Gestein. 71 % der Erdoberfläche bedecken Ozeane und deren Nebenmeere und die Erdkrustenanteile der Ozeanböden (ozeanische Kruste) bestehen letztlich aus „Basalt“. Das ist schon eine ganze Menge. Zusätzlich zu diesen ozeanischen Basalten gibt es noch kontinentale Basalte: Bei kontinentalen Vulkanen sind sie ein häufig auftretendes Gestein.

„Basalt“ ist so weltweit zwar tatsächlich das Gestein mit der größten Verbreitung, in unserer Region, der Nordoberpfalz, im Steinwald, Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald ist aber Granit das „Standardgestein“ und gegenüber den in der Nordoberpfalz vorherrschenden Graniten, mit ihren meist rundlichen Formen, bildet Basalt vollkommen unterschiedliche, geradezu „fremde“ Formen und Texturen. Diese sind nicht nur optisch ungewohnt ansprechend, sondern auch klettertechnisch eine wahrhaft besondere Herausforderung, wie sie so sonst erst in einer Entfernung von ca. 500 km in der Eifel zur Verfügung stehen (s.a.).

Ziele bei Renaturierung/Rekultivierung – Synergien

Im Zuge der anstehenden Renaturierung/Rekultivierung des Steinbruchgeländes gilt es nun der Öffentlichkeit die vielfältigen Besonderheiten zu bewahren und die sich ergebenden Chancen zu nutzen. Dazu gehört ohne Zweifel, daß ganz außergewöhnliche Steinbruchbereiche auch als Geotope und Kletterfelsen erhalten bleiben. Allem voran gilt dies insbesondere für die – wenngleich künstlich geschaffen – nun schon unter landschaftsoptischen Gesichtspunkten schützenswerte ehemalige große Hauptabbauwand.

Natur- und Geotopschutz sowie Sportklettern stehen dabei keineswegs zwangsläufig in Konkurrenz, sondern es bietet sich hier umgekehrt sogar die Möglichkeit vielfältige Synergien zu nutzen (!) und im möglichst breiten Konsens eine Lösung im Sinne auch von Gemeinwohlleistungen (Art. 18, Abs. 1, Pkt 4 BayWaldG) zu finden, die allen öffentlichen Belangen Rechnung trägt!

Dabei ist den entsprechenden Aussagen im Naturschutzkonzept des Forstbetriebs Waldsassen, daß sich „bei überlegtem Vorgehen und guter Planung ohne besonderen Aufwand Nutzung und Schutz verbinden lassen.“ (S. 30: Pkt 3.3. Naturschutz bei der Waldnutzung), sowie im Erholungskonzept des Forstbetriebs Waldsassen („Naturschutz ist nicht der natürliche Feind von Sport und Erholung“) voll zuzustimmen. Etliche der bereits existenten Projekte des Forstbetriebs Waldsassen in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Steinwald, der Steinwald-Allianz, dem Geopark und den Anliegergemeinden sowie dem Landkreis beweisen, daß sich selbst scheinbar widersprechende Interessenlagen bei Erarbeitung eines schlüssigem Konzepts oft gut ergänzen und sich sogar etliche Synergien nutzen lassen.

Projekt „Geotop und Basaltklettern am Gr. Teichelberg“

Den Steinbruch und speziell die beeindruckenden Basaltsäulen (s.a. Google-Foto-Galerie) hat der Autor als Geologe bereits seit über 30 Jahren „im Auge“. Daß die Basaltsäulen auch eine ganz außergewöhnliche Herausforderung beim Klettern darstellen würden, dürfte ihm dagegen erst etwa 2015 in den Sinn gekommen sein. Der aktive Steinbruchbetrieb ließ eine entsprechende Idee aber sehr utopisch erscheinen und es war sogar zu befürchten, daß gerade auch die wunderbaren Säulen ggf. doch noch dem Rohstoffabbau zum Opfer fallen würden. Dies hat sich durch die Stilllegung des Steinbruchs geändert und so wurde aus der im Dezember 2018 – noch in Unkenntnis vom damals bereits feststehenden „Ende“ – vom Autoren präsentierten „Vision“ (Die Nordoberpfalz – klettertechnisches El Dorado – Feststellungen und Visionen) überraschend schnell ein reales Ziel.

Ziel: In Kombination von schützenswertem Geotop und Biotop (unbelebte und belebte Natur) sowie von Sport und Naturschutz für den Teichelberg gemeinnützig im Konsens ein Konzept entwickeln, welches allen öffentlichen Belangen ausgewogen Rechnung trägt sowie unter verschiedenen Gesichtspunkten für die ganze Region eine positive Bereicherung darstellt, ja dieser sogar als Alleinstellungsmerkmal dienen kann.

Der Autor ist hier entsprechend seit 2018 als „Projektleiter“ federführend „am Ball“ und hat bereits im September 2019 auch den DAV-Hauptverband, den weltgrößten Bergsportverband sowie nach § 63 BNatSchG anerkannter Naturschutzverband und Mitglied im Deutschen Naturschutzring als kompetenten Partner in das Vorhaben einbezogen.

Bereits 1927 wurde der Naturschutz in die Satzungen der Alpenvereine aufgenommen und seit 1994 steht dieser auch als zentrales Ziel im Grundsatzprogramm. Als verantwortungsbewußter Sportverband (der weltgrößte Bergsportverband!) hat der DAV ganz selbstverständlich auch Ökologie und Umweltschutz im Fokus. So versucht er eine gewisse Steuerungs- und Kontrollfunktion bei den von ihm betreuten sportlichen Aktivitäten (Bergsteigen, Klettern, Wandern etc.) wahrzunehmen und so, speziell durch die regionalen Sektionen (!), auch natur-bewahrend zu wirken. In ganz Deutschland bringt er sich dort, wo dies als notwendig ansteht, zudem bei Ausarbeitung und Umsetzung von naturverträglichen Kletterkonzepten ein.

Dort wurde die Idee mit großem Interesse aufgenommen und bereitwillige Unterstützung des DAV als „Fachansprechpartner für Klettern und Naturschutz“ im weiteren Verfahren für das Projekt Teichelberg zugesagt, zudem auch der Autor seine umfassende Bereitschaft zu weiterer eigener aktiver Einbringung und umfassender professioneller geologischen Unterstützung andeutete.

Der Autor ist nicht nur ausgebildeter Petrograph, sondern verfügt auch über einschlägiges umfassendes „Steinbruch-Wissen“(inkl. sprengtechnischen Abbaus und dessen Folgen)! Statische Fragen, die Beurteilung z.B. von Standfestigkeiten und entsprechender Sicherheitsaspekte etc. sind ihm als Bau-, Baugrund- und Bodengutachter der Fa. EUGEO GmbH mit fast 30 Jahren Berufserfahrung vertraut. Bei Fragen zu Wandstandfestigkeiten, Zerrüttung des Gesteins etc., wie sie sich auch im Steinbruch Pechbrunn absehbar im Hinblick auf jegliche „Folgenutzung“ (unabhängig in welchem konkreten Zusammenhang) und ggf. deshalb notwendige Absicherungsmaßnahmen ergeben, kann er im Rahmen des Projekts daher ggf. als wertvoller Ansprechpartner dienen.

Im Zusammenspiel von DAV und Autor ist somit eine gute Grundlage für positives kooperatives Einbringen in das weitere Verfahren zur Folgenutzung des Steinbruchs Teichelberg gegeben und der Autor als „Projektleiter“ bzw. „Projektkoordinator“ konnte den Bayerischen Staatsforsten als Eigentümer des Geländes bereits 2019 entsprechende konstruktive „projektbezogene Zusammenarbeit“ gem. S. 6 des Naturschutzkonzept des Forstbetriebs Waldsassen anbieten.

Weitere Gespräche und Kontakte u.a. mit DAV-Hauptverband, IG Klettern, Basalt-AG, Geopark Bayern-Böhmen, Forstverwaltung sowie einzelnen DAV-Sektionen folgten.

Multilaterale Zusammenarbeit

In der konkreten Ausgestaltung wird die weitere Projektarbeit, die letztlich von „Auflassung“ und „Entwidmung“ abhängig ist (planmäßig 2019 für Ende 2020 angedacht), aufgrund spezieller zwischenzeitlicher Entwicklungen auch als „DAV-Projekt“ aber nicht mehr unter „Label“ und „formaler Federführung“ der DAV Sektion Karlsbad (wie zwischenzeitl. angedacht und dieser „seiner“ Sektion vom Autoren angeboten) oder gar praktisch ausschließlich mit dieser erfolgen (wie von dieser selbst gerne für sich sichergestellt), sondern wohl besser und zuträglicher in „breiterer Aufstellung“ und kameradschaftlicher Kooperation:

Entsprechend der ursprünglichen Idee des Autors werden in Absprache mit dem DAV-Hauptverband gerne alle interessierten benachbarten DAV-Sektionen, Naturfreunde-Ortsgruppen und angrenzenden Bergwachten in ein echtes Gemeinschaftsprojekt einbezogen, um auch vor Ort eine möglichst breite und „zeitlose“ Unterstützungsbasis, ausreichende personelle „Ressourcen“ sowie ggf. auch entsprechende Kompetenzen sicherzustellen.

Harald Rost
Dipl.-Geologe

„Projektleiter“/“Projektkoordinator Teichelberg“
(September/Oktober 2020)

Weitere Info

„Klettergesteine“ – Klettern für geologisch Interessierte

Die Nordoberpfalz – klettertechnisches El Dorado — Feststellungen und Visionen

Geotope und Geotopschutz

Pflege von Geotopen

Landschaftspflegekonzept Bayern – Band II.15; Lebensraumtyp Geotope mit besonderer Bedeutung für Artenschutz und Landschaftsbild

Steinbrüche und Gruben Bayerns und ihre Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz

Leitbild und Konzeptionen – Naturverträglich Klettern in Deutschland

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Waldsassen

Erholungskonzept des Forstbetriebs Waldsassen


(Der Artikel wird fortgeschrieben)